WER WIR SIND

 

Die Fraternità Francescana di Betania (Franziskanische Gemeinschaft von Betanien) ist ein Institut des geweihten Lebens diözesanen Rechts, bestehend aus Brüdern, Klerikern wie Laien, und Schwestern, die durch die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ihr Leben Gott weihen.

Das Charisma der Gemeinschaft entfaltet sich im Gebet und in der Gastfreundschaft. Das sind charakteristische Merkmale des biblischen Betanien, die im Geist der franziskanischen Spiritualität im Mittelpunkt unseres Gemeinschaftslebens stehen. Aus diesem Grund ist die Jungfrau Maria, die Mutter Jesu, für uns das höchste Vorbild, weil sie Gebet und Gastfreundschaft in harmonischer Verbindung gelebt hat.

 Marianische Spiritualität

05_CfMarianische Geisteshaltung beruht auf der Vorbildhaftigkeit der Magd des Herrn für ein gottgeweihtes Leben. Sie ist der Zugang zum Christusmysterium. Die Spiritualität unserer Gemeinschaft ist inspiriert vom Geheimnis seiner Menschwerdung, in dem sich Gottes Heilsplan erfüllt hat. Dieser wurde eingeleitet durch das Fiat Mariens. So verbinden wir uns der Mutter des Herrn in tiefer Verehrung und in dem Bewusstsein, dass ihr Sohn ihr die Menschheit – am Kreuz – anvertraut hat, damit sie uns auf den Weg zu ihm führe.

Franziskanische Spiritualität

05_CfDer hl. Franz von Assisi, der in göttlicher Eingebung, das Leben Jesu und seiner Jünger nachahmen wollte, gab den Anstoß zu einer Weise, nach dem Evangelium zu leben, die er fraternitas nannte. Er stellt das einfache Leben, geprägt durch Fröhlichkeit (letitia), Bescheidenheit (minoritas) und nicht zuletzt durch den Reichtum eines brüderlichen Lebens in den Mittelpunkt und in den Dienst für alle Menschen. Dieser Dienst zeigt sich in einer liebevollen Aufmerksamkeit auch gegenüber dem geringsten Bruder. Dies ist für uns das wertvollste Erbe der franziskanischen Tradition.

 affb

Unser Gründer  und die Gründung

 

2Unser Gründer Nicola Gaudioso, mit dem Ordensnamen Pater Pancrazio, wurde am 15. November 1926 in Bari als jüngstes von sechs Kindern geboren. Am 10. Dezember 1939 trat er als 13-Jähriger in die Ordensfamilie der Kapuziner in der Provinz Apulien ein. Am 13. Mai 1942 empfing er das Ordenskleid als Laienbruder und legte am 19. Juni 1943 die Ordensgelübde auf Zeit in Alessano (bei Lecce) ab. Die ewige Profess erfolgte am 23. November 1947 im Heiligtum von Loreto, wo er seit 1946 Dienst tat. Ab 1950 wurde Pater Pio von Pietrelcina sein geistlicher Vater. Dieser schrieb für ihn auf eine einzige Anfrage hin eigenhändig auf der Rückseite eines Andachtbildchens ein Lebensprogramm. Dieses erhellte sein geistiges Leben und wurde für ihn zum prophetischen Wegweiser der künftigen Fraternità Francescana di Betania:

„Sei nicht so auf das Beschäftigtsein Marthas bezogen, dass du darüber Marias Schweigen vergisst. Die jungfräuliche Mutter, die sowohl die eine als auch die andere Aufgabe so gut miteinander in Einklang bringt, sei für dich sanftes Vorbild und Inspiration“.

P. Pio, Kapuziner

Bei ihrer letzten Begegnung äußerte P. Pio im Juli 1968 gegenüber Bruder Pancrazio, er sehe es als Wunsch des Herrn an, dass Bruder Pancrazio Priester werde. So wurde P. Pancrazio am 18. März 1973 in Loreto zum Priester geweiht. Die Franziskanische Gemeinschaft von Betanien wurde von Pater Pancrazio im Jahre 1982 ins Leben gerufen, am Anfang als Vereinigung Casa Betania. Im Jahre 1987 wurde sie als Öffentliche Vereinigung von Gläubigen vom Diener Gottes Msgr. Antonio Bello, dem Bischof der Diözese Molfetta- Giovinazzo-Ruvo-Terlizzi, gegründet. Im Jahre 1992 erbat Msgr. Bello nach eingehender Beratung mit dem Heiligen Stuhl die Errichtung eines Institutes des geweihten Lebens mit dem Namen Fraternità Francescana di Betania. Am 8. Dezember 1998, dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis, unterschrieb der neue Bischof Msgr. Donato Negro mit Erlaubnis der zuständigen Vatikanischen Kongregation das Dekret, das die Gemeinschaft als Institut des geweihten Lebens diözesanen Rechts anerkennt und deren Konstitutionen ad experimentum genehmigt.

Pater Pancrazio war Generalminister der Gemeinschaft in den Zeiträumen von 1999 bis 2005 und von 2005 bis 2011. Ab dem Jahr 2011 lebte er ständig in der Fraternità in Terlizzi um auf jeden Bruder und auf jede Schwester den Geist und das Charisma des evangelischen Bethanien zu übertragen.
Pater Pancrazio Nicola Gaudioso starb am 03. Januar 2016 in Terlizzi.

Die drei Säulen unserer Lebensform

 

Unser Gebet

Gebet heißt, die Anwesenheit Christi unter uns aufzurufen, die zugleich Gemeinschaft schafft. Das Gebet pflegt einerseits den persönlichen Bezug zu Jesus Christus und ist andererseits unverzichtbar, um das lebendige Feuer der Liebe zu nähren. Es befähigt zudem zu einem authentischen, geschwisterlichen Leben und zu wahrer Gastfreundschaft. Unser Institut widmet einen großen Teil des Tages dem gemeinschaftlichen Beten:

01_PrDie Eucharistiefeier, „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (2. Vat. Konzil, LG 11), ist für uns das Rückgrat unseres gemeinschaftlichen Betens und Mittelpunkt unseres ganzen geistlichen Lebens.

02b_PrDas Stundengebet strukturiert unseren Tag und heiligt so den Ablauf des ganzen Tages und der Nacht durch das Gotteslob.

03_PrDas Gebet in der Nacht ist nach dem Beispiel Jesu Christi und der meisten Heiligen für das Leben unseres Instituts wesentlich.

04b_PrDer Rosenkranz drückt unsere besondere Verehrung für die Mutter des Herrn aus und verbindet die Meditation über die Geheimnisse des Lebens Christi und der Kirche mit einer Form des inneren Gebets.

05_PrDie eucharistische Anbetung, die Meditation des Wortes Gottes und das spontane Lob sind weitere Formen in unserem Gebetsleben.

Unsere Gastfreundschaft

CIMG2857Christus ist der Zeuge eines barmherzigen und den Menschen zugewandten Gottes schlechthin. Deswegen ist Anund Aufnahme des anderen eine unabdingbare christliche Grundeinstellung. In Betanien wird Jesus als Herr und Meister wie auch als Freund und Bruder aufgenommen; in jenem Haus widmet er sich ganz den Gastgebern und nimmt gleichzeitig die Gabe der anderen vorbehaltlos entgegen (vgl. Lk 10, 38 – 42; Joh 11, 1–44; 12, 1-3). Die Teilnahme an den verschiedenen Momenten unseres Tagesablaufs ermöglicht dem Besucher unserer Häuser im Gebet, in den Sakramenten und im geschwisterlichen Zusammenleben eine tiefe und belebende Begegnung mit Jesus. Unsere Aufnahmebereitschaft gilt: allen, die Gott suchen; allen, die eine tiefere Erfahrung mit Gott haben möchten; allen, die sich auf der Suche nach ihrer Berufung befinden; Priestern und Ordensleuten, die sich müde und leer fühlen aufgrund ihrer apostolischen Tätigkeit und die Beziehung zu ihrem Herrn wiederfinden möchten; Familien, also Gemeinschaften von Liebe und Leben, die auf dem Sakrament der Ehe gründen und die Schönheit und Größe dieser Berufung wieder entdecken möchten; Jugendlichen, die ohne Orientierung sind; allen, die das Bedürfnis spüren, sich von einem hektischen Alltagsleben zurückzuziehen, um eine Weile in der Stille der klösterlichen Gemeinschaft zu bleiben.

Unser Gemeinschaftsleben

CIMG1819Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Gemeinschaftsleben. Das biblische Betanien war das Haus von Marta, Maria und Lazarus, zweier Schwestern und eines Bruders, die die Freundschaft und Anwesenheit Jesu in einer familiären Atmosphäre genossen. Unser Betanien ist ein Haus von Brüdern und Schwestern, die das gleiche Leben teilen und täglich die Anwesenheit Christi erbitten. Das Gemeinschaftsleben ist der erste Bereich jener freundschaftlichen Zuwendung, die sich vor allem gegenüber der Schwester und dem Bruder, die Gott zusammen geführt hat, verwirklichen muss. Denn dies ist die Bewährungsprobe für die Folgerichtigkeit eines christlichen Lebens und der erste Raum, in dem es die Liebe Gottes zu realisieren gilt. Das Gemeinschaftsleben ist auch ein Spiegel, der uns unsere Schwächen zeigt und anregt, unsere Grundhaltung zu verwirklichen. Deswegen sind Bruder bzw. Schwester nicht nur einfach eine Anrede, sondern bezeichnen, was wir wirklich sind und wozu wir berufen sind, es untereinander und mit den anderen Menschen zu verwirklichen – auch zum Zeugnis in der Kirche. Das Zeugnis des Gemeinschaftslebens ist unsere erste Weise der Evangelisierung. Christus selbst hat gesagt: “Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.” (Joh 13, 35).